Der Lilienthaler,
Zeitschrift der Landesverbände Berlin und Brandenburg im DAeC
Heft 2/2005 Seite 13, mit freundlicher Genehmigung von
Klaus Engelhardt
Gariep Dam Aviation – die südafrikanische
Segelflug-Alternative für die Winterpause
Wer in Europa kennt ihn schon, den Gariep Dam?
Was hat es auf sich damit und wo liegt das ?
Für die, die überhaupt noch nicht zum Fliegen in Afrika
waren: Es sich handelt sich dabei um den früheren „Hendrik
Verwoerd Dam“, von dem aus Klaus Holighaus am 7.1.93 seinen
1400,19km Dreiecks-Weltrekord und Helmut Fischer am 5.1.95 seinen
immer noch gültigen Geschwindigkeits-Weltrekord von 169,72
km/h über das 1000 km FAI-Dreieck flogen.
Der Damm liegt direkt an der N1-Autostrasse, die Kapstadt mit Bloemfontein
und Johannesburg verbindet. Der Flugplatz liegt nahe der Dammkrone,
wo der Oranje-Fluss mit ca. 80km zum größten südafrikanischen
Stausee aufgestaut ist und ein paar hundert km weiter nord-westlich
zum Grenzfluss zu Namibia wird. Im Internet (www.google.de)
finden sich zahlreiche fliegerische und touristische Hinweise, wenn
man „Gariep Dam“ oder „Verwoerd Dam“ eingibt.
Spätestens seit der WM in Mafikeng wissen wir, dass es in Südafrika
tatsächlich regnet und dies zum Teil so stark, dass ein Wettbewerb
darunter leidet. Man muss dazu wissen, dass es zwischen dem südafrikanischen
Osten und Westen eine Wettergrenze gibt, die Helmuth Fisher als
„Magie der Troglinie“ (www.gariepgliding.com/throughline.html)
bezeichnete und die sich – grob gesagt- vom Damm entlang dem
Lauf des Oranje über Upington in den Nordwesten entwickelt.
Die beste Zeit dafür liegt zwischen November und Januar. Der
Osten ist von feuchten Luftmassen des Indischen Ozeans beeinflusst,
der Westen ist trocken, so trocken und heiss, dass westlich der
Troglinie Basishöhen von 16.000ft häufig sind, mit denen
sich z.B. die genannten Rekordflüge realisieren ließen.
Zugleich hat Südafrika etwa gegenüber dem Südwesten
eine sehr viel bessere Infrastruktur, so dass sich eine etwaige
Außenlandung nicht zwangsläufig zu einem Abenteuer entwickelt,
auch das Netz der Flugplätze ist viel dichter und die Vegetation
nicht total wüstenartig.
Gariep Dam Aviation hat den Charakter eines Vereinsflugplatzes
mit zwei 1200m-Asphaltpisten, von denen auf einer geschleppt und
auf der anderen selbst gestartet wird. Zwei kleinere Hallen, ein
Vereinsheim, in dem preiswerte Drinks aus dem Kühlschrank geholt
werden können und wo täglich um 9 Uhr ein Briefing durchgeführt
wird, runden das Bild ab. Zum Briefing sollte man etwas Englischkenntnisse
mitbringen, jedoch nicht zwingend, denn zahlreiche Clubmitglieder
sind deutschstämmige Südafrikaner, die sich freuen, ihre
heimatliche Zunge wieder ein wenig lockern zu können.
So ist der Platz über die Weihnachtsfeiertage mehrheitlich
von einheimischen Segelfliegern bevölkert, die ihre berufliche
Basis vorwiegend in Johannesburg haben und die sich über europäische
Gäste freuen, die zum Damm kommen und den Betrieb mittragen
helfen. Die Existenz des Platzes war kürzlich durch die allgemeine
Re-Afrikanisierung der Regierung akut gefährdet, als man wieder
Farmland daraus machen wollte. Mit Hilfe des in München lebenden
flugbegeisterten Gunther von Versbach, der persönlich eine
Menge in den Platz investiert hat, ist es nun gelungen, mit dem
Verein eine „non-profit“- Gesellschaft zu etablieren,
so dass der Fortbestand gesichert ist.
Auch zum Luftraum gibt es gute Nachrichten: Peter How erklärte
uns, dass Südafrika als einziges Land im Kontinent einer neuen
FL145-Restriktion für VFR-Flüge nicht unterliegt, sondern
bis FL 195 frei bleibt, so dass die Konvektionshöhe für
den Segelflug weiterhin voll nutzbar bleibt. Unterkünfte gibt
es vielfältige. Es befindet sich u.a. ca. 1km vom Platz der
Ort Gariep mit einer Reihe von Ferienwohnungen für bis zu ca.
acht Bewohnern oder die Bungalow-Anlage Aventura, wo sehr hübsch
gelegene Häuschen mit europäischem Komfort zu mieten sind,
die ebenfalls bis zu 5 Betten haben. Darin befinden sich stets Küchenzeilen
bzw. Kochmöglichkeiten, wo die am Ort zu kaufenden Lebensmittel
nach eigenem Geschmack zubereitet werden können, oder man geht
zum Frühstück zu Hildegard Stidworthy und setzt sich unter
das Schattendach Ihres Cafe-Museums. Hildegard fungiert gern als
Ansprechpartnerin für Unterkünfte und ist unter Tel. 0027
/ 51-754-0485 oder mobil 0027 / 83 259 6439 bzw. über e-mail
(alfred@interkom.co.za)
erreichbar; sie spricht allerdings nur noch englisch, obwohl der
Großvater Deutscher war, wie sie uns sagte. Buchungen müssen
allesamt frühzeitig erfolgen, weil Südafrikaner aus der
Region den Damm über Weihnachten als Feriengebiet nutzen. Für
Europäer sollte dies aber kein Problem sein, muss der Entschluss
zum Segelfliegerurlaub in Afrika doch bereits im Frühjahr fallen,
weil die Entscheidung eines evtl. Containertransports ebenfalls
frühzeitig geklärt sein muss. Chartermöglichkeiten
sind auch vorhanden, naturgemäß aber eingeschränkt und
können über Gunther (Gariep@web.de)
abgestimmt werden. Das „Lake! Gariep Tourism Office”ist
telefonisch unter
0027 / 51 -754 0495 oder per e-mail unter lakegariep@mweb.co.za
erreichbar; es besteht ein Zeitunterschied von -1h zu MEZ bzw. gleiche
Zeit mit MESZ. Auch hier gibt’s Quartierauskünfte.
Der See und die umgebende Karoo-Halbwüste bietet zahlreiche
touristisch erschlossene Ausflugs- und Sportmöglichkeiten
für Familien bzw. Nichtflieger, die es gern warm mögen.
So muss man nicht im Flugplatz-Ghetto bleiben, wenn man dazu keine
Lust hat. Ganz hart gesottene können eine 850km-Ausflug mit
dem Auto nach Kapstadt machen, die überhaupt nicht langweilig
ist und die man tatsächlich einmal gefahren sein sollte, um
einen Boden-Eindruck von diesem großen und wunderbaren Land
zu bekommen. Der Autor hat dafür mit einem Polo acht Stunden
gebraucht, allerdings erst nach Eingewöhnung an die Linksfahrerei.
Der Sprit kostet etwa die Hälfte des deutschen Preises.
Eine Fülle weiterer Details ist der deutschen Homepage von
Peter Gaida unter "www.gariep-segelflug.de“ zu entnehmen
.
Was kostet der Spaß? Ein Ticket nach Johannesburg (evtl. mit
Weiterflug nach Bloemfontein), einen Mietwagen für die Zeit
(Ferientarif ca. €400,-/2Wochen) zur Anreise zum Platz, zum
Fliegerziehen und hin- und herpendeln, ein Quartier je nach Anspruch,
€ 130,- die Woche für Platz und Verein, übliche Schleppgebühren
und die Charter je nach Flugzeug (z.B. auch offene Klasse möglich)
bzw. den Containerplatz. So richtig billig bleibt es nicht, wird
aber auch nicht richtig teuer und ist fliegerisch genial: 7-8 Stunden
brüllende Thermik und Cumuli wie aus einem Segelflug-Märchen,
wenn zu Hause der Winternebel ums Haus kriecht. Sauerstoffanlage
ist wegen der großen Basishöhen unverzichtbar, EDS wohl
die derzeit eleganteste Lösung dafür. Das fliegende Publikum
ist sehr gemischt und so muss man sich am Abend nicht verstecken,
wenn keine 1000 geflogen wurden. Was hörte der Autor nach einer
Landung? „Eigentlich wollte ich erst einmal 400 fliegen und
von da aufbauen, nun sind es 720 geworden und mein ganzer Plan ist
durcheinander“. Am gleichen Tag flog Astrid Rogberg vom Werdenfelser
Verein mit einer 15-m-DG800 von Upington an Gariep vorbei nach Aliwal
North mit 638,21 die Strecke für den deutschen Damenrekord
und schämte sich nach ihrer Rückkehr, „weil es doch
ein bisschen kurz“ gewesen sei. Probleme haben die Leute…
Das Fliegen in Afrika nach 2 Jahren Gariep kann
ich nur für alle Piloten empfehlen, die den Winter satt haben
und mal neue Eindrücke gewinnen wollen. Da ich die Flüge
alle ins OLC Netz gestellt habe, sind dort die Flüge zumindest
von der virtuellen Darstellung nachvollziehbar. Über weitere
Informationen können Interessierte mich auch unter meiner Mailadresse
engelhardt-Berlin@t-online.de
ansprechen. In der nächsten Saison, die voraussichtlich schon
Anfang November 2005 beginnen soll, wird es garantiert hervorragendes
Wetter geben.
Klaus Engelhardt
Mitautor: Rolf Ross
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